Slam Artikel von Ralf G. Poppe – Rumble On The Beach

Rockabilly-Punk?

RUMBLE ON THE BEACH

Rumble On The Beach - SLAM Magazin
Rumble On The Beach – SLAM Magazin

Die 1980er Jahre werden oft als das „Plastik-Jahrzehnt“ beschrieben. Andererseits gründeten sich 1982 in Düsseldorf DIE TOTEN HOSEN, während in Berlin DIE ÄRZTE starteten. Und im beschaulichen Bremen schaffte man die Quadratur des Kreises: Rockabilly und Punk verschmolzen …
DIE TOTEN HOSEN spielten 1982 gar ihr erstes Konzert im Bremer Schlachthof, denn an der Weser herrschte das Gegenteil von „tote Hose“.

Es gab eine Musikszene, aus der 1985 unter anderem RUMBLE ON THE BEACH erwuchsen.

Auch Claus „Fabsi“ Fabian wusste, was geht. Er war Schlagzeuger der Hosen-Vorgängerband ZK gewesen und der Liebe wegen aus Düsseldorf in die Hansestadt gewechselt. Fabsi gründete in Bremen DIE MIMMI’s sowie das Weser Label. Er hatte noch korrekte Ideale: „In Düsseldorf bildeten Teds, Oi-Punks und Skins eine gemeinsa-me Szene, die dafür sorgte, dass der Ratinger Hof harmonisch blieb. Wer den Frieden stör-te, bekam auch schon mal eine Backpfeife! Im Magazinkeller des Bremer Schlachthofs lernte ich RUMBLE ON THE BEACH kennen. Wir machten die ,Silly Billy`-Single. Ich hät-te die Coverversion von ,Purple Rain‘ auf die A-Seite gepackt. Die Rumbles entschieden sich, den Prince -Song als zweites Stück auf die B-Seite zu pressen …“
Damals … Gunnar Riedel (Drummer der superben Neo-Soul-Formation RHONDA): „Als ich in den 1980ern nach Bremen kam, waren RUMBLE ON THE BEACH schon derbstens bekannt. ,Purple Rain‘ lief jedes Wochenende im Römer (ein Bremer Kultlokal; Anm. der Red.). Alle auf der Tanzfläche flippten aus! Dann waren sie noch mit den STRAY CATS unterwegs. Bewunderung allenthalben war ihnen sicher – auch mei-ne. Bei ihrem Reunion-Gig im Dezember in Bremen war ich leider selbst auf Tour. Aber es soll toll gewesen sein. Wie mir geflüstert wur-de, gibt es in 2016 weitere Gelegenheiten! Das lasse ich mir nicht entgehen.“ Damit hat Riedel den Nagel auf den Kopf getroffen. RUMBLE ON THE BEACH sind in der Originalformation mit Michael „Ohlly“ Ohlhoff (Gitarre, Gesang), Andreas „Andy“ Merck (Bass und Gesang, wurde zwischenzeitlich von Frank Ullrich ersetzt) und Marc Mittelacher (Schlagzeug, Gesang) wieder aktiv! Ohlhoff: „Als wir damals aufhörten, hat-te das einen einfachen Grund. Marc war alleinerziehend, auch Frank hatte ein kleines Kind. Da musste man Geld verdienen, konnte nicht fünf Monate auf Tournee gehen. Da haben wir gedacht, wir fahren das Ganze etwas runter. “ RUMBLE ON THE BEACH hatte gerade die großartige CD „Randale am Strand“ her-ausgebracht. Ohlhoff: „Rockmusik mit deut-schen Texten war nicht angesagt. Heutzutage wären wir mit der Scheibe die absoluten Helden. Damals gab es PETER MAFFAY für die Schlagerecke, HERBERT GRÖNEMEYER, HEINZ RUDOLF KUNZE …“ Mittelacher: „Es gab DIE TOTEN HOSEN, doch die standen auf ihrem eigenem Podest!“ Wie auch DIE ÄRZTE, die zu der Zeit mit ihrer Reunion wieder durch
gestartet waren. Ohlhoff: „Mit DIE ÄRZTE habe ich bereits 1982 mit meiner damaligen Punkband RÜCKKOPPLUNG zusammen gespielt. Seither sind wir mit ihnen befreundet.“

slam-2… wie heute … Im Frühjahr 2015 war Mittelacher zur Party einer Freundin eingeladen. Er brachte Ohlly  Ohlhoff mit. Ohne zu üben spielte man ihr ein Ständchen. Plötzlich war es keine Frage mehr, sich wieder mit einer gemeinsamen Zukunft zu befassen. Erstes Ergebnis: „The Early Years (1985-1988)“ von RUMBLE ON THE BEACH. Der neue Labelpartner Bear Family hat die ersten beiden Alben „Rumble Rat“ und „Rumble“ wieder zugänglich gemacht, die im Original auf dem Weser Label beziehungs-weise bei der Vielklang Musikproduktion Berlin erschienen waren. Ein 52-seitiges Booklet mit der gesamten Bandgeschichte so-wie Live-Aufnahmen runden das Package ab. Zum Jahresende sollen darüber hinaus auch die anderen Longplayer folgen. Die Musik von RUMBLE ON THE BEACH ist schnell und hart. Das sollte natürlich auch der Name ausdrü-cken. „Rumble“ gilt als Ausdruck der Härte, „On the beach“ impliziert den Spaß an der Musik. Lange nach der Namensfindung wur-de den Musikern bewusst, dass „Rumble On The Beach“ zudem eine Phrase des Refrains im STRAY CATs-Song „Rumble In Brighton“ ist. 1990 kam es gar zu einer Tour mit den STRAY CATS, in deren Verlauf deren Sänger BRIAN SETZER in Richtung Backstage-Bereich (sprich RUMBLE ON THE BEACH) schau-te, als er besagten Refrain sang, um ihn mit Schlagzeuger Slim )im Phantom lächelnd zu betonen. Ohlhoff: „Eine weitere witzige Geschichte gehört noch dazu. Wir waren überall dabei, nur an einem Ort durften wir nicht auftre-ten.

Die Frankfurter wollten uns nicht. Nun wohnte aber meine ganze Familie in Hessen, in der Nähe von Frankfurt. Meine beiden jün-geren Brüder haben ihre Mitschüler gebeten, in der Batschkapp anzurufen, um zu fragen, ob RUMBLE ON THE BEACH auch auftreten würden. Nach zwei Tagen begann dann so et-was wie der erste Shitstorm. Hunderte von Schülern aus Gernsheim haben angerufen.
Das Batschkapp-Telefon stand eine Woche nicht still. Bis die Verantwortlichen des Clubs uns benachrichtigten, dass wir unbedingt spielen müssen! Die gesamte STRAY CATS-Tour lief toll. Weil ich eben nicht spiele wie Brian Setzer. Jeder Soundtechniker hat eine Krise bekommen, weil ich zu laut war, nie kopiert habe.“ … Kult Mittelacher: „ Unser Sound ist nicht wirklich Rockabilly. Er ist kein Psychobilly, kein Punk.“ Gastspielreisen durch Kanada und die USA folgten. In Toronto wurden RUMBLE ON THE BEACH ausgeraubt, die kanadischen Agenturen konnten der Band jedoch „den Arsch retten“. Eine Woche nach dem Vorfall titelte eine große Zeitung aus der Stadt sinn-gemäß: „Behandeln wir so unsere Gäste?“ Es folgten größere Tourneen, sogar der Booker
von PRJNCt war begeistert. Eine knüppel-harte Reise führte das Trio für drei Konzerte nach Thunderbay. RUMBLE ON THE BEACH reisten 24 Stunden mit einem Greyhound, die Anlage wurde unten im Bus verstaut. Holzfäller und Indianer stiegen ein und aus. Kooperationen mit Legenden wie unter an-derem BEN HEwirr und Rockabilly-Sängerin ROSIE FLORES folgten. „Ohlly“ lebte bis 1994 in Los Angeles und reiste nur für Auftritte über den großen Teich. Außerdem durf-te er mit seinem Touristenvisum nie länger als drei Monate am Stück in den USA bleiben. Zukunftsperspektiven? Ohlhoff: „Es fühlt sich alles wieder an, wie damals. Eigentlich als wäre nix gewesen. Nur dass wir jetzt ein bisschen grauer sind …“

www.rumbleonthebeach.com

Ralf G. Poppe