„Keep on rumbling, ihr Rockabilly-Beach-Boys!“

http://www.musikreviews.de/reviews/2016/Rumble-On-The-Beach/Two-Legendary-Albums-Rumble-Rat–Rumble/

Rumble On The BeachAls ich vor ein paar Monaten auf unserer Seite die DVD mit den zwei Rockpalast-Auftritten der STRAY CATS aus den 80er-Jahren besprach, hätte ich mich fast zu der Feststellung hinreißen lassen, dass wenn es eine Neo-Rockabilly-Vorzeige-Band gibt, die eindeutig den Namen STRAY CATS trägt. Das ist so nicht korrekt! Denn zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis dahin nicht deren deutsches Pendant kannte (Was wohl auch ein wenig mit meiner DDR-Vergangenheit und dem Land der auch musikalisch Ahnungslosen in Verbindung steht.) – nämlich RUMBLE ON THE BEACH aus Bremen!

Das wäre wohl auch für alle Zeiten so geblieben, hätten sich Bear-Family-Records nicht die Mühe gemacht, diese gerade mal von 1985 bis 1988 existierende Rockabilly-Band sowie deren zwei offizielle Alben mit jeder Menge weiterer musikstilistischer Einflüsse (Country, Blues, Jazz, Rock‘n‘Roll, Punk, New Wave, Psychobilly) wiederzuentdecken! Doch nicht nur das!

Mit viel Liebe wurden beide Alben, also „Rumble Rat“ (1987) und „Rumble“ (1988) samt einiger Live-Aufnahmen (1988) auf eine CD gepresst, in hervorragender Klangqualität remastert und dann sogar mit einem über 50 Seiten starken Büchlein versehen, in dem der singende Schlagzeuger der Band die gesamte Musik-Geschichte der Bremer Band voller interessanter Insider-Informationen in deutscher und englischer Sprache plus jeder Menge rarer Fotos verewigt.
So erfahren wir nicht nur, welch verrückte Erlebnisse RUMBLE ON THE BEACH bei ihrer Kanada-Tournee oder als BRAVO-Boys hatten, sondern auch über ihren Ärger mit rechtsradikalen Arschgeigen und die Entstehung ihres erfolgreichsten Songs – einer Cover-Version von PRINCE‘ „Purple Rain“: „Wir daddelten alle etwas lustlos auf unseren Instrumenten herum. Die übliche Probenstimmung wollte nicht so recht aufkommen. Vor lauter Langeweile begann Andy auf dem Bass damals aktuelle Popsongs anzustimmen. Als Andy dann bei ‚Purple Rain‘ angekommen war, riss mir der Geduldsfaden und ich spielte den Refrain auf dem Schlagzeug dann einfach im ‚Billy-Rhythmus‘. Währenddessen guckten wir uns alle verdutzt an – wir wussten, das war es!“

Großartig sind auch die Songs, die zusätzlich mit Saxofon – Wow, da gibt‘s die tollsten Einlagen zu hören! – Fiddle und Trompete aufgepeppt werden. Langeweile, wie sie wohl manchmal im Proberaum vorkam, hört man bei den sage und schreibe 25 Songs von „Two Legendary Albums – Rumble Rat & Rumble“ zu keiner Zeit. Und plötzlich wird einem auch klar, woher BOSS HOSS wohl ihre Ideen „geklaut“ haben, mit denen sie knapp 20 Jahre später so erfolgreich waren. RUMBLE ON THE BEACH hatten offensichtlich das Pech, in Deutschland zu früh solche Musik gemacht zu haben. Und ganz ehrlich – so eine Wahnsinnsnummer wie „Purple Rain“ würden BOSS HOSS sowieso nie hinbekommen!

Nach 17 Studioaufnahmen dürfen wir dann die verbleibenden 8 Nummern live genießen, die einem bildhaft die Live-Qualität von RUMBLE ON THE BEACH vor Ohren führen.

Dabei zeichnet sich „Amsterdam“ sogar durch herrliche Saxofon-Solis aus, aber leider auch recht stark neben der Spur liegenden Gesang. Der Live-Atmosphäre jedenfalls tut das keinerlei Abbruch. Krönender Abschluss der so liebevoll zusammengestellten und gestalteten CD ist dann die Live-Version von „Purple Rain“, welche natürlich auf keinen Fall fehlen durfte!

FAZIT: „Diese CD umfasst die frühen Jahre der Band und es wird eine Fortsetzung der RUMBLE ON THE BEACH-Story geben“ (Zitat aus dem Booklet). Da dürfen wir nicht nur gespannt, sondern auch hocherfreut sein. „Keep on rumbling, ihr Rockabilly-Beach-Boys!“ [Album bei Amazon kaufen]

Thoralf Koß (Info)